Dr. Michael Sauer in seiner Funktion als Berater im kosovarischen Arbeits- und Sozialministerium (Foto: CIM).

Win-Win für Kosovo und Deutschland durch zirkuläre Migration

Dr. Michael Sauer ist als Berater im kosovarischen Arbeits- und Sozialministerium tätig. Sein Herz schlägt seit 2005 für den Kosovo, als er dort seinen ersten Einsatz hatte. Ihn fasziniert die Dynamik der mit einem Durchschnittsalter von 25 Jahren jüngsten Gesellschaft in Europa.

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Was genau ist Ihr Aufgabengebiet?

Vermittelt durch das CIM, berate ich im kosovarischen Arbeits- und Sozialministerium den Arbeitsminister im Bereich Arbeitsmigration. Die Jugendarbeitslosigkeit im Kosovo liegt bei 60%. Deshalb versuchen viele junge Menschen auf illegalen Wegen, nach Deutschland zu kommen. Meine Aufgabe ist, legale Möglichkeiten der Arbeitsmigration zu schaffen und darüber zu informieren. Wir bereiten bilaterale Abkommen vor, bauen ein Informationszentrum im Ministerium auf und entwickeln Ausbildungsprogramme mit deutschen Partnern, wie zum Beispiel dem Landesverband der Bayerischen Bauinnungen.

Worum geht es dabei genau?

Wir möchten den Mangel an Auszubildenden im deutschen Baugewerbe reduzieren. Dafür vermitteln wir Kosovaren in Ausbildung nach Deutschland, um diese jungen Leute dann mit dem erworbenen Wissen mittelfristig wieder im Kosovo in Betrieben einzusetzen. Bei Bedarf bieten wir den jungen Menschen später auch Unterstützung beim Weg in die Selbstständigkeit an. Aus einer solchen zirkulären Migration kann sowohl das Ziel- als auch Herkunftsland einen Nutzen ziehen.

Die junge und sehr dynamische Gesellschaft Kosovos sucht ständig nach Möglichkeiten, erfolgreich zu sein.

Aus zirkulärer Migration kann eine Win-Win-Situation für die beteiligten Länder entstehen.

Wie wird das Ausbildungsniveau unmittelbar im Kosovo dabei langfristig gestärkt?

Im Kosovo fand der Wissenstransfer in handwerklichen Berufen lange nur direkt von Generation zu Generation statt. Wir wollen zeigen, dass sich eine breit gefächerte Berufsausbildung lohnt - für die Arbeitnehmerin bzw. den Arbeitnehmer, den Betrieb und die ganze Branche. Perspektivisch sollen deutsche Expertinnen und Experten auch nach Kosovo kommen, um hier Ausbilderinnen und Ausbilder zu schulen und eventuell auch das Curriculum zu reformieren, um insgesamt den Standard zu heben.

Was reizt Sie besonders an Ihren Aufgaben?

Arbeitsmigration zu steuern, bedeutet auch immer, verschiedene Akteure zusammenzubringen. Dabei ist wichtig, immer in der Lage zu sein, andere Perspektiven einzunehmen - und Migration beispielsweise nicht immer nur als Einbahnstraße zu sehen. Außerdem ist es zurzeit generell sehr spannend, im Kosovo zu arbeiten. Die Arbeit und das Leben hier sind sehr facettenreich. Kosovo ist das jüngste Land Europas mit einem Durchschnittsalter von ca. 25 Jahren. Diese junge und sehr dynamische Gesellschaft sucht ständig nach Möglichkeiten, erfolgreich zu sein.

Das kosovarische Arbeits- und Sozialministerium kooperiert mit deutschen Partnern, darunter dem Landesverband der Bayerischen Bauinnungen.

IM AUFTRAG DES

Das Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) ist eine Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit (BA) und vereint seit 1980 entwicklungs- und arbeitsmarktpolitische Expertise. Das CIM vermittelt aus der EU und EFTA-Ländern kommende Fachkräfte in Entwicklungs- und Schwellenländer. Hauptauftraggeber ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).