Stefan Boy ist Teil des Qualitätsmanagement-Teams im Kamuzu Central Hospital in Lilongwe, Malawi (Foto: CIM)

Stärkung des Gesundheitssystems in Malawi

Stefan Boy ist für die Verbesserung der Versorgungsqualität in Malawi zuständig. Dafür wirkt er als Integrierte Fachkraft am Aufbau einer Qualitätsmanagement-Struktur im Kamuzu Central Hospital in Lilongwe mit.

Im Interview mit Stefan Boy

Die Regierung Malawis versucht mit großen Anstrengungen und der Hilfe von internationalen Partnern das Gesundheitssystem zu verbessern. Hierzu gehört auch die Stärkung der Gesundheitseinrichtungen mit dem Ziel, die Servicequalität zu erhöhen.

Sie arbeiten als Integrierte Fachkraft in einem Krankenhaus in Malawi. Was sind dort Ihre Aufgaben?

Ich bin Teil des Qualitätsmanagements-Teams des Kamuzu Central Hospitals, zusammen mit meinen Kolleginnen versuchen wir durch Organisationsentwicklung ein eigenes Departement für Qualitätsmanagement aufzubauen. Eine funktionierende Qualitätsmanagement-Struktur hat die Verbesserung der Versorgungsqualität zur Folge. Außerdem streben wir eine Akkreditierung nach den Standards des Council for Health Service Accreditation of Southern Africa (COHSASA) an. Es ist uns auch gelungen, eine Klinikpartnerschaft mit der Hochschule Rhein-Main einzugehen, speziell unter dem Fokus Patientensicherheit. Auch für weitere Klinik-Partnerschaften haben wir uns beworben.

Das Kamuzu Central Hospital ist Stefans Boys Arbeitgeber in der Hauptstadt Malawis (Foto: CIM)

Seit 2020 treibt uns die Corona-Pandemie um. Können Sie uns schildern, wie sich die Lage in Malawi gestaltet?

Malawi hatte auch mit mehreren Corona-Wellen zu kämpfen. Diese hatten schwerwiegende Auswirkungen speziell auf unser Krankenhaus als tertiäre Einrichtung. Insbesondere die Sauerstoffversorgung der Patientinnen und Patienten war sehr schwierig zu gewährleisten. Es gab nicht genug Sauerstoffkonzentratoren oder Sauerstoffzylinder, von einer zentralen Sauerstoffversorgung ganz zu schweigen. Dies hat zu vielen vermeidbaren Todesfällen geführt. Medizinischer Sauerstoff wird in Blantyre produziert, jede Nacht mussten Lastwagen nach Blantyre, dort die Zylinder auffüllen lassen und wieder zurück nach Lilongwe fahren. Glücklicherweise konnte wir das örtliche Gesundheitsprogramm der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH überzeugen, eine containerbasierte Sauerstoffproduktionsanlage zu beschaffen. Hier möchte ich mich auch noch einmal beim gesamten GIZ-Team des Landesbüros Malawi bedanken. Wir haben auch, finanziert durch die GIZ, Schutzausrüstung und wichtige spezielle Sauerstoffmasken beschaffen können, die uns in der Behandlung von Patientinnen und Patienten sehr geholfen haben.

Welchen Einfluss hat Corona auf Ihre Arbeit genommen und Ihren Arbeitsalltag verändert?

Qualitätsmanagement ist natürlich immer und überall wichtig. Wir haben bei jeder Welle etwas dazugelernt und versucht, Dinge besser zu machen. Unser Fokus lag besonders auf dem Umgang mit der Pandemie. Die wöchentlichen Covid-Response Team-Meetings wurden vom Qualitätsmanagement-Team organisiert. Dazu haben wir eine neue spezielle Patientendokumentation entwickelt sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Themen rund um Hygiene geschult. Was mich besonders freut ist, dass es auch gelungen ist, die Krankenhausleitung zu überzeugen, eine eigenständige Qualitätsmanagement-Abteilung zu etablieren. Hierzu gehört nun auch die Krankenhaushygiene. Eine Struktur, wie es sie hier in Malawi noch nicht gab. Meine Kolleginnen sind nun ausschließlich für Qualitätsmanagement-Aufgaben freigestellt. Dies trägt bereits erste Früchte.

Das Qualitätsmanagement-Team konnte während der Corona-Pandemie neue Standards setzen (Foto: CIM)

Welchen persönlichen Mehrwert ziehen Sie aus Ihrem Einsatz als Integrierte Fachkraft in Malawi? Wie lebt es sich vor Ort?

Malawi ist ein wunderschönes Land mit sehr freundlichen Menschen. Meine Frau und ich sind gerne hier in Malawi. Man kann hier gut leben, wenn man damit zurechtkommt, nicht jedes Konsumgut um die Ecke zu finden und man häufig etwas improvisieren muss. Malawi hat jedoch auch große Herausforderungen zu stemmen, besonders im Gesundheitswesen. Ich sehe aber, dass meine enge Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen Fortschritte bringt, das ist sehr erfüllend.

IM AUFTRAG DES

Das Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) ist eine Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit (BA) und vereint seit 1980 entwicklungs- und arbeitsmarktpolitische Expertise. Das CIM vermittelt aus der EU und EFTA-Ländern kommende Fachkräfte in Entwicklungs- und Schwellenländer. Hauptauftraggeber ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).