Foto: Marion Gottmann bei einer Zertifikatsübergabe nach einem Pädagogiktraining an einer Berufsschule (Foto: CIM)

Berufliche Bildung in Paraguay

Marion Gottmann unterstützt Ministerien, Betriebe und Schulen bei der Einführung und Implementierung des ersten landesweiten dualen Berufsausbildungsgangs. Sie trägt somit maßgeblich zur Etablierung der beruflichen Bildung in Paraguay bei.

"Der Vorteil ist, dass ich eine Frau bin und aus dem Bereich der Mechatronik komme. Ich werde als "Role Model" wahrgenommen und ich denke, das ist auch gut so". Marion Gottmann trotzt den Vorurteilen und motiviert junge Paraguayerinnen und weibliche Lehrkräfte dazu, eine duale Ausbildung im Bereich Mechatronik bzw. Weiterbildung als Lehrkraft anzugehen. Sie leitet ein fünfköpfiges Team, mit dem sie Projekte akquiriert und durchführt, die die berufliche Bildung im Bereich Mechatronik und Elektrotechnik stärken.

Marion Gottmann bei einem Pädagogik-Workshop. "Ich werde als "Role Model" wahrgenommen und ich denke, das ist auch gut so".

Im Interview mit Marion Gottmann

Als Integrierte Fachkraft arbeiten Sie als Leiterin im Bereich der beruflichen Bildung an der paraguayischen Industrie- und Handelskammer. Wie sieht Ihre Arbeit im Alltag aus?

Seit Jahren arbeiten wir mit dem Bildungsministerium und der GIZ Paraguay zusammen, um die erste duale Berufsausbildung im Bereich Mechatronik in Paraguay zu etablieren. Dazu berate und begleite ich fünf Berufsschulen und führe Weiterbildungen von Lehrkräften in den verschiedenen Landesregionen durch. Darüber hinaus haben wir Partnerschaften mit ausgewählten Unternehmen aufgebaut, ohne die eine duale Ausbildung nach deutschen Standards nicht möglich ist.

Sie sind nicht nur Beraterin mit Erfahrung in der EZ, sondern haben früher selbst als Berufsschullehrerin für Elektronik und Elektromechatronik unterrichtet. Welche Erfahrungen haben Sie auf Ihrem Werdegang in Deutschland und Paraguay als Frau gemacht?

In Deutschland waren wir damals nicht viele Frauen, weder in der Berufsausbildung noch an der Fachhochschule. Unter einigen der Kolleginnen pflegen wir auch heute noch den Kontakt und stellen fest, dass sich nicht viel verändert hat. Frauen sind in diesen Bereichen weiterhin unterrepräsentiert, doch wir stoßen notwendige Veränderungen an. In Paraguay hat unser Ansatz einen guten Ruf, der sich sowohl unter den jungen Leuten als auch in den Betrieben herumgesprochen hat. Dadurch konnten wir bereits mehr junge Frauen für die Branche begeistern. Einige der ausgebildeten Mechatronikerinnen versuche ich als Berufsschullehrerinnen zu gewinnen und auszubilden, da ich die umfassende Einbindung von Frauen in dem Bereich als essenziell erachte. Einfach ist es nicht, sich in der vermeintlichen Männerdomäne Mechatronik und Elektrotechnik zu behaupten. Daher haben wir ein weiteres Projekt entwickelt und akquiriert, welches jungen Paraguayerinnen spezifische Fähigkeiten zum Thema Arbeitsschutz vermittelt, damit sie in den Firmen höherwertige Positionen, z.B. als Arbeitsschutzbeauftragte, übernehmen können.

Beratung zum Thema 5S im Elektrotechnikbereich in einer Berufsschule in Asuncion.

"Der Vorteil ist, dass ich eine Frau bin und aus dem Bereich der Mechatronik komme. Ich werde als "Role Model" wahrgenommen und ich denk, das ist auch gut so".

Welche beruflichen Kenntnisse haben Sie in Paraguay gewonnen, die Sie gerne in Deutschland anwenden würden?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wir in Paraguay mit unserer Arbeit relativ schnell und unbürokratisch auf Bedürfnisse und Veränderungen des Privatsektors reagieren können. So ist es zum Beispiel möglich, die Lehrpläne in unserem Ausbildungsprojekt flexibler auf die Bedürfnisse der Firmen anzupassen. An der aktuellen Covid-19-Situation hat sich gezeigt, wie schnell sich Bedingungen ändern können. Wir mussten prompt reagieren und digitale Tools in den Schulen und den Firmen etablieren. Durch den sehr guten Ruf, den Deutschland in Bezug auf duale Ausbildungen genießt, wird uns in der AHK großes Vertrauen entgegengebracht, sodass wir proaktiv auf neue Möglichkeiten eingehen können.

Was zeichnet das Leben in Paraguay besonders aus?

Im Vergleich zu Deutschland ist es in Paraguay weniger hektisch und das Leben hier ist relativ ruhig. Die Menschen sind unheimlich nett, die Paraguayerinnen und Paraguayer wurden zweimal als glücklichste Menschen der Welt ermittelt - und das merkt man auch. Trotz der sehr langen Arbeitszeiten gibt es wenig Beschwerden zur Arbeitsbelastung und es herrscht generell eine angenehme Arbeitsatmosphäre.

IM AUFTRAG DES

Das Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) ist eine Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit (BA) und vereint seit 1980 entwicklungs- und arbeitsmarktpolitische Expertise. Das CIM vermittelt aus der EU und EFTA-Ländern kommende Fachkräfte in Entwicklungs- und Schwellenländer. Hauptauftraggeber ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).