Mit lokaler Schweinezucht zu einer unabhängigeren Lebensmittelproduktion in Ghana

Als Isaac Asubonteng 2008 nach Italien kam, um zu studieren, merkte er schnell, dass er Geld verdienen musste, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Da er aus seiner Kindheit in Ghana eine große Leidenschaft für Tiere mitbrachte, versuchte er sein Glück bei einem Schweinezuchtbetrieb in Vicenza – und blieb fünf Jahre. Sein Traum vom Studium in Europa realisierte sich nicht. Stattdessen ging er nach München, wo er weitere fünf Jahre in den Küchen traditioneller Wirtshäuser arbeitete.  Später bei einem Besuch in Ghana, wollte er seiner Familie Münchner Spezialitäten – Schnitzel und Schweinelende – servieren und stellte fest: Hochwertiges Schweinefleisch war in Ghana schwer und nur zu extrem hohen Preisen zu bekommen. In diesem Moment nahm seine Geschäftsidee ihren Anfang.

Isaac Asubonteng

Gründer in Ghana

„Vom Bauernhof auf den Tisch”

Im Süden Ghanas, im Atwima-Nwabiagya Distrikt, hat Isaac Asubonteng einen noch kleinen Schweinezuchtbetrieb mit großem Wachstumspotenzial aufgebaut. Dort züchtet er zusammen mit seiner Frau und einem weiteren Geschäftspartner Schweine und produziert Schweinfleisch, das er selbst weiterverarbeitet, verpackt und vermarktet. „From farm to fork“ („vom Bauernhof auf den Tisch“) lautet die Devise. Asubontengs Marktrecherche hat ergeben, dass derzeit 80 Prozent des in Ghana nachgefragten Schweinefleisches aus dem Ausland kommen. Für den Großteil der Ghanaer ist es zu teuer, denn anders als Hühnchenfleisch landet es nicht zu Niedrigpreisen auf dem ghanaischen Markt, sondern als hochpreisiges Luxusprodukt.

„Wir können unsere lokale Nachfrage nach Schweinefleisch selbst bedienen, statt Fleisch umständlich und teuer aus dem Ausland zu importieren”, ist die feste und selbstbewusste Überzeugung des 38-Jährigen.

„Es gibt große Erwartungen an mich. Von Seiten meiner Familie, aber auch von Seiten der Politik. Scheitern ist keine Option.”

Isaacs Team wächst. Mittlerweile hat er sechs Mitarbeiter fest angestellt und beschäftigt bis zu vierzehn Aushilfen, die den Betrieb bei Bedarf unterstützen.

„One district one factory“

Dieser Überzeugung ist auch Ghanas Präsident Nana Addo Dankwa Akufo-Addo. Er hat sich zum Ziel gesetzt, Ghanas Wirtschaft zu stärken und wegzukommen vom Image des reinen Rohstofflieferanten. Mit seiner Kampagne „One district one factory“ will er die Weiterverarbeitung von Rohstoffen und Produkten im Land vorantreiben und vor allem für die vielen jungen Menschen im Land Perspektiven und Arbeitsplätze schaffen. Der Agrarsektor ist nur einer von acht Sektoren, auf die sich die Initiative konzentriert. Und Asubontengs Schweinezuchtbetrieb ist seit kurzem einer der Betriebe, welche die Regierung in insgesamt 216 Distrikten als förderungswürdigen Modellbetrieb identifiziert hat.

Im Rückblick ergab alles einen Sinn

Die Arbeit in dem Schweinezuchtbetrieb in Italien war für Asubonteng zunächst eine Notlösung, wollte er doch eigentlich studieren. Aus heutiger Sicht war sie jedoch ein kleiner Glücksfall. Denn der Ghanaer hat in dieser Zeit viel über Schweinezucht gelernt und hat seine Leidenschaft für Tiere aus seiner Kindheit dort wiederentdeckt. Auch die fünf Jahre Arbeitserfahrung in Bayerns Küchen kommen ihm jetzt zugute. „Manchmal muss man weit reisen, um herauszufinden, wer man ist und was man will im Leben,” sagt Asubonteng und fügt hinzu: „Manchmal ergeben die einzelnen Stationen im Leben – wie in meinem Fall – auch erst im Nachhinein einen größeren Sinn.“ Und Glück braucht man dann auch noch. Für Asubonteng ist es vorteilhaft, dass neben „Geschäftsideen für Entwicklung” auch die ghanaische Regierung von seinem Vorhaben überzeugt ist, seinen Betrieb fördert und ihn als gutes Beispiel für Ghana im Land bekannt macht.

Die Schweine, die er züchtet, verkauft er auch an andere Viehbäuerinnen und -bauern. Auch sein Wissen gibt er gerne an sie weiter, denn die Zusammenarbeit mit anderen ist ihm wichtig. Er sagt: „Wir müssen auch anfangen, Technologien intelligent für uns arbeiten zu lassen.”

Klein anfangen und langsam wachsen

Isaac Asubonteng entschied, Europa langfristig hinter sich zu lassen und mit seinem Wissen und seinen Ersparnissen in Ghana selbst etwas auf die Beine zu stellen. Er beschloss, klein anzufangen und dann zu wachsen, statt auf das Geld für den großen Wurf zu warten. „Wenn man selbst nicht bereit ist zu investieren, findet man auch sonst niemanden, der in einen investieren wird”, lautet seine wichtigste Botschaft an alle, die die Ärmel hochkrempeln und sich als Unternehmer in Ghana versuchen möchten. Er selbst ist sich absolut sicher, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. „Jedes Mal, wenn ich aus dem Ausland nach Ghana zurückkomme und ins Auto einsteige, die heimische Luft einatme und über die Straßen und Pisten fahre, weiß ich, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe, dass ich angekommen und am richtigen Ort bin.”

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