BERATEN WERDEN · MIGRATIONSPOLITIKBERATUNG

Win-Win für Kosovo und Deutschland

Michael Sauer ist als Berater im kosovarischen Arbeits- und Sozialministerium tätig. Sein Herz schlägt seit 2001 für Kosovo. Ihn fasziniert die Dynamik der mit einem Durchschnittsalter von 25 Jahren jüngsten Gesellschaft in Europa.

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Der promovierte Politikwissenschaftler Michael Sauer unterstützt unter anderem den Aufbau eines Ausbildungsprogramms für junge Kosovaren im deutschen Bausektor. Nach Abschluss der Ausbildung sollen sie ihr erlerntes Know-how in heimische Betriebe tragen.

Michael Sauer im intensiven Austausch mit dem kosovarischen Arbeitsminister.

Der ständige Dialog mit Entscheidungsträgern ist für Michael Sauers Tätigkeit als arbeitspolitischer Migrationsberater wesentlich.

Im Interview mit Michael Sauer:

Woher kommt Ihr besonderes Engagement für Kosovo?

Die Republik Kosovo fasziniert mich schon lange. Zum ersten Mal war ich von 2001 bis 2003 hier und habe die Jugendorganisation des lokalen Roten Kreuzes mit aufgebaut. Mit einem Durchschnittsalter von 25 Jahren ist Kosovo das jüngste Land Europas. Überall arbeiten junge Menschen, auch in Führungspositionen. Das macht die Gesellschaft sehr lebendig und dynamisch.

Wie kann man sich Ihre Arbeit vorstellen?

Die junge Bevölkerung ist Chance und Herausforderung zugleich. Die Jugendarbeitslosigkeit beträgt 60 Prozent, viele junge Menschen haben das Land verlassen. Ich bin überzeugt: wenn man irreguläre Migration verhindern möchte, muss man reguläre Wege schaffen. Als vom CIM entsendete, integrierte Fachkraft berate ich in genau solchen Fragen den Arbeitsminister. Ich glaube, dass Migration eine Chance für das Land darstellt. Menschen, die momentan keine Perspektive für sich in der Heimat sehen, können mit einer Ausbildung oder Arbeit in Deutschland eine Zukunft für sich aufbauen. Die Erfahrung und das Wissen können später wieder zurück nach Kosovo fließen und zur Entwicklung des Landes beitragen.

Besonders im Handwerk ist eine praxisorientierte Ausbildung wichtig.

Besonders im Handwerk ist eine praxisorientierte Ausbildung wichtig.

Können Sie hierfür ein konkretes Beispiel geben?

Deutsche Handwerksbetriebe können ihre Lehrstellen derzeit kaum besetzen. In Kosovo gibt es hingegen viele junge Leute, die in Deutschland eine Ausbildung machen möchten. Einige kehren nach ihrer Ausbildung zurück und können so die Entwicklung ihres Landes voranbringen. Mit dem Landesverband Bayerischer Bauinnungen haben wir gerade eine Ausbildungspartnerschaft entwickelt: Die Bauinnung bekommt Azubis aus Kosovo. Im Gegenzug arbeitet sie an der Verbesserung des Ausbildungswesens in Kosovo mit, etwa indem sie Lehrer ausbilden oder Praktika für kosovarische Auszubildende anbieten.

Wie verbessert sich dadurch die Ausbildung unmittelbar im Kosovo?

Die Ausbildung in Kosovo ist nicht praxisorientiert. Es gibt keine Verzahnung mit Unternehmen wie bei der deutschen, dualen Ausbildung. Man lernt Elektroinstallation aus Büchern, nicht am Schaltkasten. Viele machen die Ausbildung nur, um danach zu studieren, und im Handwerk kommen dann zu wenige Fachkräfte an. Das liegt auch an fehlender Karriereberatung. Wir möchten zeigen, dass sich eine breit gefächerte, mit der Praxis eng verknüpfte Berufsausbildung lohnt – für den Arbeitnehmer, den Betrieb und die ganze Branche.

Ein Treffen mit Bewerbern für einen der begehrten Ausbildungsplätze in Kosovo.

Mehr Werkbank und weniger Lehrbuch ist die Devise bei der Ausbildung.

IM AUFTRAG DES

Das Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) ist eine Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit (BA) und vereint seit mehr als 35 Jahren entwicklungs- und arbeitsmarktpolitische Expertise. Das CIM vermittelt europäische und nach Deutschland zugewanderte Fachkräfte in Entwicklungs- und Schwellenländer, vernetzt zugewanderte Menschen, die ihre Herkunftsländer voranbringen möchten und berät Einzelpersonen sowie politische Entscheidungsträger zu Migrationsthemen. Hauptauftraggeber ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

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